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Rund Fünen – Segeln mit Schweinswalen

Rund Fünen ist der „Törnklassiker“ schlechthin. Wir sind ihn oft gefahren, und wir sind ihn gern gefahren, aber wir haben immer noch nicht alle Häfen des Reviers gesehen. Gerne stellen wir Ihnen die vor, die wir besucht haben. Über die Jahre haben wir viele Veränderungen in diesem abwechslungsreichen Segelrevier bemerkt.

Das Seegebiet um Fünen ist ein überwiegend geschütztes Revier: Je nachdem, wie man fährt, kann man sich den nötigen Landschutz holen, und dementsprechend besteht die Möglichkeit, die meisten Strecken auch bei viel Wind zurückzulegen.

Aber die Gewässer um Fünen sind auch ein Gebiet, in dem die Schweinswale häufiger vorkommen. Die Tiere sind hier gut zu beobachten. Es vergeht kein Tag, an dem Sie sie nicht antreffen. Meist kommen sie zu zweit. Sie sind sehr scheu, spielen aber gern mit dem Boot und begleiten es über weite Strecken auf- und abtauchend - kostenloses Whale Watching auf der Ostsee.

Ein Törn Rund Fünen begann oder endete immer mit dem Anlaufen eines der Häfen auf der Insel Als, die nicht unbedingt zur klassischen Route zählt. Meist waren es die Häfen Höruphav oder Sonderburg. Aber auch in Mommark sind wir mehrmals gewesen. Fynshav war ein einziges Mal aus dem Svendborg Sund kommend unser Ziel.

Die Häfen der Insel Als sind ganz ungleicher Natur. Sie haben auf mich immer eine unterschiedliche Wirkung ausgeübt. So war das auch immer davon abhängig, wie das Leben um den Hafen herum gestaltet ist. Meine Gedanken und Gefühle wurden dadurch maßgeblich beeinflusst.

Eines möchte ich unterstreichen: Das Seegebiet um Fünen ist außerordentlich abwechslungsreich.

Seekarte AlsDas Seegebiet um Als (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung Verlag Delius Klasing)

Höruphav – ein ruhiger, schön gelegener Hafen

Yachthafen HöruphavBlick auf den Yachthafen HöruphavHöruphav haben wir in der Hauptsaison nie am Wochenende besucht und nie im Juli während der Dänemark-Ferien. Aufgrund seiner idyllischen Lage ist er in den Sommermonaten sehr frequentiert. Für den Fall, dass Sie im Hafen keinen Liegeplatz bekommen, gibt es im Hörup Hav jedoch ausreichend Ankermöglichkeiten für die unterschiedlichen Windrichtungen. Sehr schön und geschützt liegen Sie bei südlichen Winden hinter der Halbinsel Kegnaes.

Unweit vom Hafen liegt das Naturschutzgebiet Trillen mit seinem beeindruckenden Vogelleben. Im Wald hinter dem Hafen beginnt der historische Fußweg „Gendarmsti“, auf dem Sie über Sonderburg und die Düppeler Schanzen nach Flensburg gelangen.


HöruphavIdyllische Grillplätze am Yachthafen HöruphavFünf Minuten Fußweg vom Hafen entfernt gibt es ein großes Einkaufszentrum, wo alle Lebensmittel eingekauft werden können. Es ist, wie fast überall in Dänemark, auch am Sonntag geöffnet. Postamt, Tankstelle, Apotheke, Bank, Pizzeria und Grill-Bar sind weitere Einrichtungen. Der Weg dorthin führt durch das Dorf, das besonders auffällt durch seine gepflegten, phantasievoll angelegten Gärten – sehr sehenswert. Zwischen den Häusern am Hang ist immer wieder das Wasser zu sehen, und ich beneide die Bewohner um die Gärten hinter den Häusern mit dem Blick auf das Hörup Hav.

 



rf 15Naturschutzgebiet Trillen bei HöruphavDer Hafen Höruphav bietet – wie viele Häfen in Dänemark - gute Grillmöglichkeiten. Wenn alle Grillplätze belegt sind, gibt es die Möglichkeit gegenüber des Hafens auf einer Wiese direkt am Wasser ein Feuer zu machen und dort auf einem Grillrost sein Fleisch zu grillen. Das haben wir Himmelfahrt 2005 gemacht. Wir saßen auf Kissen ums Feuer herum, hatten einen schönen Blick auf Hafen und Haff, haben gegessen, einen guten Wein getrunken und fühlten uns wohl.

 

 

 

 

Sonderburg – Anfang und Ende des Alssund

Hafen SonderburgDie königliche Yacht DannebrogEin Stopp in Sonderburg lohnt sich immer. Über Nacht haben wir immer im großen Yachthafen festgemacht, der ca. 20 Minuten Fußweg vom Stadtzentrum entfernt liegt. Ein schöner Spazierweg – eine Art Promenade – führt am Wasser entlang, am Schloss vorbei in die Stadt. Im Stadthafen liegt man direkt an der Kaimauer. Hier ist es unruhiger, aber auch interessanter. Wenn man Glück hat, liegt die Königliche Yacht vorm Schloss, und man kann dem Wachwechsel um 22:00 Uhr beiwohnen. Das Schloss kann besichtigt werden.

Am gegenüberliegenden Ufer kann man auf der Anhöhe die Düppeler Schanzen liegen sehen, Schauplatz der letzten Schlacht des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864. Weithin sichtbar ist die Düppeler Mühle.

Wir waren am 11. August 1999 in Sonderburg, das war der Tag der bisher letzten totalen Sonnenfinsternis in Nordeuropa. Bis zu dem Zeitpunkt hatten wir schönes Wetter, danach wurde es kühl und die Sonne schien an dem Tag nicht mehr.
Stadthafen SonderburgBlick auf den Stadthafen SonderburgBevor man in den Alssund einfahren kann, muss die Klappbrücke passiert werden. Die Öffnungszeiten sind an der Brücke angegeben. Im Sommer öffnet sie regelmäßig alle 20 Minuten, in dem Stadthafen vor der Silhouette der Stadt drehen immer ein paar Yachten ihre Runden und warten auf die Öffnung. Außerhalb der Saison kann es vorkommen, dass man länger warten muss. Wir haben es einmal erlebt, von Norden durch den Alssund kommend, dass die Brücke kurz bevor wir durchfahren konnten, sich schloss. Die nächste Öffnungszeit war dann erst eine Dreiviertelstunde später. Ich weiß nicht, ob der Brückenwärter erkennen konnte, wie sehr ich mich geärgert habe.

 

 

Stadthafen SonderburgLiegeplätze im Stadthafen direkt am Zentrum von Sonderburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mommark – ein Hafen verfällt?

MommarkHafeneinfahrt in MommarkMommark liegt an der Ostküste der Insel Als. Wir sind ihn einige Male angelaufen, was aber immer mit einem negativen Erlebnis verbunden war. Die Steganlagen waren in einem schlechten Zustand, die Wassertiefen sind für unser Boot (Tiefgang 1,60 m) nur an den Stegköpfen ausreichend gewesen. Wenn die Welle in die Hafeneinfahrt stand, haben wir hier unruhige Nächte verbracht.

Auch die Fähre, die von Mommark nach Aero und zurück fährt, läuft jedes Mal dicht am Heck vorbei, wenn sie einfährt. Weiter drinnen im Hafen besteht die Möglichkeit, an den Fischerbooten festzumachen, hier sind die Wassertiefen dann ausreichend. Wir hatten jedoch das Pech, dass ein Fischerboot, dass morgens sehr früh ausgelaufen ist, uns nicht geweckt hat, und wir dann blaue Farbspuren an unserem Rumpf vorfanden.

Auch sonst hat Mommark wenig zu bieten. Die Sanitäranlagen stammen aus einer vergangenen Zeit. Die Einkaufsmöglichkeiten sind begrenzt. Aber es gibt ein gutes Hotdog direkt am Hafen.

Zweimal waren wir hier eingeweht. Das eine Mal hatten wir starken Wind aus Nordost, so dass die Welle direkt in die Hafeneinfahrt stand, und ich im Hafen seekrank wurde. An Kochen war gar nicht zu denken. Jeder Gang an Land war eine Anstrengung, da der Bug sich stark auf- und abbewegte.

Das andere Mal hatten wir Wind mit der Stärke 8 aus West. Das Wasser im Hafen sank immer weiter, so dass wir unser Boot weiter in den Hafen rein verholen mussten. Neben uns lag ein Charterschiff aus Kiel, das versucht hatte, über die Flensburger Förde zu kommen, musste aber aufgrund der hohen Welle wieder in Mommark einlaufen. Der Skipper des Schiffes prägte folgenden Satz: „Man muss schon ganz fest daran glauben, dass das ein Vergnügen sein soll.“ Das sollte das Motto des Jahres werden, da wir in dem Jahr überwiegend schlechtes Wetter hatten.

Als wir im Frühjahr 2005 das letzte Mal in Mommark waren, wurde an den Stegen gearbeitet. Wir sind jedoch nach einer Stunde weitergefahren, da der Gestank im Hafen unerträglich war. Das Wasser war dreckig und trübe. Am Strand häuften sich die Seetangberge. Uns hielt hier wirklich nichts.

Wir liefen also aus. Das Wasser war fast spiegelglatt, wir mussten motoren und schon waren sie da – unsere Begleiter. Sie begleiteten uns eine ganze Weile, bis sie sich dann verabschiedeten. Sie zeigten uns ihre weißen Bäuche, schwammen von Backbord nach Steuerbord und wieder nach Backbord. Drehten sich auf den Rücken und rollten sich wieder zurück, wir sahen ihren glänzenden dunklen Rücken. In der Ferne sahen wir sie auf- und abtauchen, Luft holend. 

(Anmerkung 2015: Inzwischen hat Mommark neue Schwimmstege erhalten und macht eine guten Eindruck.)

Fynshav – Angler und Fähren

SchweinswaleSchweinswale im Seegebiet zwischen Mommark und FynshavWir kamen vom Svendborgsund und wollten nicht in Mommark festmachen, so dass wir uns entschieden, nach Fynshav zu gehen. Wir sahen das Land spät, da es sehr diesig war. Da es Samstag war, hielten sich viele Angler mit ihren Booten auf dem Wasser auf, und sie tauchten aus dem Nichts auf.

Die Wassertiefe in der Einfahrt variierte. Wir hatten gelesen, dass die Einfahrt gern versandete, und hatten deshalb das Echolot gut im Auge. Der Hafen war voll mit Booten, die übers Wochenende unterwegs waren, meist kamen sie aus der Flensburger Förde oder der Schlei. Neben uns lag ein Motorsegler, mit deren Skipper wir ins Gespräch kamen. Er schwärmte von den guten Ankermöglichkeiten in der Schlei. Wir nahmen uns vor, diese demnächst einmal zu testen. Laufend fuhren Fähren von Fynshav nach Bojden/Fünen und zurück und brachten eine gewisse Unruhe mit.

Am nächsten Tag sind wir aufgrund starken Windes nicht ausgelaufen. Wir haben einen Spaziergang im nahen Buchenwald unternommen. Es gibt einen schönen Strand neben Fähr- und Yachthafen. Ca. 20 Minuten Fußweg sind es bis zum nächsten Supermarkt. Ein großes Ferienhausgebiet gibt es oberhalb des Yachthafens. Ansonsten hat auch Fynshav wenig zu bieten. Ich vermisse den Pölser-Grill, der ansonsten überall in Dänemark zu finden ist.

Hier, wo der kleine Belt anfängt, ist das Segeln in den meisten Fällen unproblematisch. Starker Wind aus West gibt jedoch eine gute Welle, wenn man aus dem Landschutz von Als herauskommt.

Aus dem Grund sind wir meist durch den Als Sund gefahren, da überwiegend unter Landschutz gesegelt werden kann. Bei Wind direkt aus West muss dann den Als Fjord hoch gekreuzt werden. Bläst der Wind zu stark, kann man die Richtung in den Augustenborg Fjord wählen.

Augustenborg – stiller Hafen mit Blick auf das Schloss

Schlosspark AugustenborgImposanter Baum im Schlosspark von AugustenborgAm Ende des Augustenborg Fjords liegt das kleine Städtchen mit dem Schloss. Es ist der ehemalige Hauptsitz der Herzogsfamilie von Augustenborg. Hans Christian Andersen war oft beim Herzog zu Besuch. Einige seiner Geschichten hat er hier geschrieben. Eine Bank unter einer großen Linde ist ihm gewidmet. Von hier aus hat man einen schönen Blick über den Fjord.

Das Schloss beherbergt heute ein psychiatrisches Krankenhaus, ist deshalb der Öffentlichkeit auch nicht zugänglich. Der Gartensaal und das Arbeitszimmer des Herzogs können im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Im Flügel des Schlosses befinden sich Kirche und ein „Minimuseum“, die besucht werden können. Im Museum befindet sich eine kleine Ausstellung über das Schloss und die Geschichte der Stadt. Zum Spazierengehen lädt der große Park mit Linden ein, die über 200 Jahre alt sind. Der Weg durch den Park führt zum alten Strandbad.

Im nahen Stadtzentrum kann eingekauft werden. Es ist ein stilles Städtchen. Waren für den täglichen Gebrauch werden hier angeboten. Jedoch eine deutsche Zeitung zu bekommen, war nicht möglich – nicht einmal die Bildzeitung gab es hier.

 

Dyvig – Ruhe und Erholung

DyvigDyvig - noch mit altem HotelIst man vom Als Sund kommend den Als Fjord in Richtung Westen gefahren, gelangt man nach ca. 2 Seemeilen an die Stelle, an der die Fähre kreuzt, um Reisende von Jütland nach Als zu bringen. Hier kann man dicht unter Land fahren, um sich die Landschaft genauer anzusehen.

Dyvig haben wir immer wieder und immer wieder gern besucht. Interessant war schon die Anreise. Wenn man die vielen Angler gut umschifft hat, kommt man in eine Bucht, die am Ende immer enger wird und in einem schmalen Fahrwasser endet. Das konnte schon mal eng werden, wenn Schiffe entgegen kamen. Nicht nur einmal kamen uns Boote unter Segeln entgegen.

Sobald das betonnte Fahrwasser durchfahren ist, gelangt man in eine Bucht, die zum Schluss immer weiter wird. An Steuerbord geht zunächst eine weitere Betonnung ab, die in die Mjels Vig führt, wo sich ebenfalls ein Hafen befindet.

Wanderweg Idyllischer Wanderweg bei DyvigDyvig wurde von Hans-Joachim Kulenkampff entdeckt und berühmt gemacht. Ihm gefiel es so gut, dass er immer wieder mit seinem Boot in die Bucht kam.

In der Dyvig haben Sie die Wahl zwischen zwei Häfen. Zum einem gib es eine Steganlage an der Nordseite der Bucht – Dyvig Bro. Bis vor zwei Jahren gab es hier einen Krug, der 2005 abgerissen wurde. Es ist geplant, dass an dieser Stelle ein Luxushotel entstehen soll.

An der Südseite gibt es den Yachthafen Dyvig Badelaug. Der Hafen liegt unterhalb einer ca. 10 Meter hohen Böschung, von der man einen guten Blick über die Bucht hat. Oben stehen ausreichend Grillplätze zur Verfügung, so dass man bei schönem Wetter einen wunderbaren Ausblick beim Essen hat.

Wenn man in keinem der Häfen liegen möchte, hat man die Möglichkeit zu ankern. Die geschützte Lage der Bucht bietet sich geradezu an, um den Anker zu werfen.

Mjels VigMjels Vig - die Nachbarbucht der DyvigDie Bucht selber ist sehr ruhig. Wenn man längere Zeit hier liegt, bieten sich Ausflüge nach Holm, Nordborg und eine Wanderung zur Mjels Vig an. In Holm, ca. 1,5 Kilometer von Dyvig entfernt, ist die Besichtigung der Lindewerft möglich, wo ein nachgebautes 19 Meter langes Boot ausgestellt ist. Das Vorbild für das Boot wurde auf Als ausgegraben und stammt aus ca. 350 v. Chr. Sehenswürdigkeiten in Nordborg sind das Schloss mit einem schönen Park und die Kirche Nordborg, die schon von weitem zu sehen ist. Große Supermärkte stehen hier zum Einkaufen zur Verfügung. Eine Wanderung von Dyvig am Oldenor vorbei führt zu Mjelsvig – eine romantische kleine Bucht, in der man sehr geschützt vor Anker liegt. Eine Steganlage kann ebenfalls angefahren werden.

Nicht gerne verlässt man diesen Ort. Wir haben schon daran gedacht, uns hier niederzulassen. Aber natürlich fehlen immer die Voraussetzungen für ein solches Vorhaben, und vielleicht hat es auch sein Gutes, nur im Urlaub hier zu sein. Wer weiß, wie es ist, wenn man den Alltag mit hierher bringt.

NordborgDas Schloss in Nordborg(März 2006 / Renate Lorenzen - veröffentlicht auf www.ostsee-portal.info)